Über 100 Mitglieder und Alumni, eine gemeinsame Frage: Was macht Genossenschaftsbanken auch morgen unverzichtbar? Unter diesem Motto traf sich die ADG Alumni Tagung 2026 am 24. September auf dem virtuellen Campus, live aus dem Videostudio der ADG gestreamt und über die Plattform HyHyve mit Keynote, vier parallelen Breakout-Perspektiven und einem Impuls aus dem neuen Whitepaper mit der RWTH Aachen. Durch den Nachmittag führte Gabor Verheyen, Geschäftsführer der 4P Consulting GmbH und als TOP-Absolvent selbst Alumnus.

ADG Alumni Tagung 2026


Digital und doch nah: unterwegs auf dem virtuellen Campus

HyHyve machte aus der Tagung mehr als eine Videokonferenz: Auf dem virtuellen Campus verschwammen digitale und Präsenzwelt. In den Netzwerkpausen tauschten sich die Alumni bilateral oder in Gruppen aus, trafen sich auf virtuellen Sofas und spielten gemeinsam Kicker. Auch unser neues Imagevideo war in die Plattform integriert. So wurde Gemeinschaft auch digital erlebbar.


Keynote: Gute Fragen statt fertiger Antworten

Tuğba Arık, Wissenschaftlerin und Beraterin für verantwortungsvolle Führung, eröffnete mit einer Beobachtung aus drei völlig unterschiedlichen Welten: Krankenhaus, Bank und Forschungslabor. So verschieden die Kontexte, so ähnlich die Problematik: Überall müssen Organisationen Entscheidungen treffen, für die es keine eindeutig richtige Antwort gibt. Ob Finanzierungsentscheidung im Vorstandszimmer oder die Frage, ob eine wissenschaftliche Methode veröffentlicht werden soll: Jede Entscheidung schützt etwas und kostet etwas anderes.

Ihre zentrale These: „Je leistungsfähiger die Technik, desto wichtiger der Mensch.“ Erfolgreich seien morgen nicht die Organisationen, die heute schon die besten Antworten haben, sondern die, in denen eine gute Frage etwas verändern kann.


Vier Perspektiven, vier Räume

Im Anschluss ging es in die Tiefe: In zwei Runden diskutierten die Alumni in vier parallelen Breakout-Sessions, benannt nach Orten auf Schloss Montabaur.

Perspektive Kunde (Dr. Johannes von Mikulicz-Radecki, Leiter Bereich Mittelstand der ADG): Der Banker wird zunehmend zum Senior Consultant für Transformation, Wachstum und Nachfolge. Verdichtete Schlussbotschaft der Gruppe: „Produkte zu verkaufen macht vergleichbar. Probleme zu lösen macht wertvoll. Zukunft zu gestalten macht unersetzlich.“

Perspektive Leadership (Dr. Anne Sebastian-Fischer, Stabsstelle, ADG Business School): Gute Führung lässt sich nicht allein an Wirksamkeit oder Zielerreichung messen. Die entscheidende Frage lautet nicht nur „Wie wirke ich?“, sondern auch „Was bewirke ich?“, und ob Mitarbeitende nur mitkommen oder auch mitbestimmen dürfen.

Perspektive Kultur (Frauke Knoll, Leiterin ADG Corporate Solutions): Banken scheitern selten an der Strategie, sondern an der Umsetzung. Als praktisches Werkzeug brachte die Gruppe den 48-Stunden-Test mit: Woran würden Mitarbeitende innerhalb von 48 Stunden erkennen, dass eine Entscheidung ernst gemeint ist? Schlussbotschaft: „Die erfolgreichsten Banken haben nicht zwangsläufig die besseren Strategien, sondern Kulturen, in denen Menschen Verantwortung übernehmen.“

Perspektive Genossenschaft (Tuğba Arık): Anhand eines Fallbeispiels diskutierte die Gruppe, wie sich wirtschaftliche Entscheidungen mit Mitgliederförderung und gesellschaftlicher Verantwortung verbinden lassen, am Beispiel der Rabobank und ihres Ethikkomitees. Fazit: Eine zukunftsfähige Genossenschaftsbank braucht einen Ort, an dem schwierige Fragen erlaubt sind und ernst genommen werden.

Am Ende bündelte Moderator Gabor Verheyen die Perspektiven aus den Sessions. Die Ergebnisse ließen sich in der Kürze der Zeit mithilfe von KI verdichten und zusammenfassen, sodass sie noch im direkten Anschluss an die Diskussionen zur Verfügung standen.

 

Der Impuls: Was das Whitepaper zeigt

Malte Ringsdorf, Geschäftsführer des ADG Alumni e.V., knüpfte an die Arbeit des vergangenen Jahres an: Mit LEGO® Serious Play® hatte die Alumni-Community 2025 gemeinsam erarbeitet, wie Kundennähe für Genossenschaftsbanken im 21. Jahrhundert aussehen kann. Das war die Grundlage für das neue Whitepaper mit der RWTH Aachen. Seine These für die Tagung: „Die Frage ist nicht, ob sich Genossenschaftsbanken verändern müssen. Die Frage ist, wie sie auch morgen unverzichtbar bleiben.“ Ziel sei größtmöglicher Kundenerfolg, wobei Kundennähe nur einer von mehreren Hebeln ist, die sich nicht alle gleichzeitig maximieren lassen. Das vollständige Whitepaper erscheint Ende des Jahres und wird den Mitgliedern zur Verfügung gestellt.


Der Ausklang: Gemeinschaft, digital gedacht

Zum Abschluss blickte Joachim Kehr, ebenfalls Geschäftsführer des ADG Alumni e.V., auf das Format selbst: Die Tagung war eine Pilotierung mit HyHyve. Die letzten Tagungen fanden auf dem Schloss statt, nun stellte sich die Frage, wie sich das Gemeinschaftserlebnis ins Netz holen lässt. Die Antwort: Diskutieren und Zusammenarbeiten in den Gruppenräumen und zum Ausklang die virtuelle ADG Alumni Lounge, in der bei kühlen Getränken und gemeinsamem Anstoßen weiterdiskutiert wurde, was in den Sessions nur angerissen werden konnte.

Ein erstes Feedback aus der Befragung am Ende der Tagung bestätigt den Ansatz: Im Durchschnitt bewerteten die Teilnehmer die Tagung mit 4 von 5 Sternen und nahmen die Inhalte als relevant, praxisnah und impulsgebend wahr. Besonders häufig hervorgehoben wurden die gelungene Themenmischung, die Aktualität der Inhalte und die unterschiedlichen Perspektiven.